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  • Antje Przyborowski

Eine persönliche Trauerrede schreiben

Aktualisiert: 26. Juni 2022

Zu einer Beerdigung gehört in der Regel eine Trauerrede. Meist werden hierfür außenstehende Trauerredner engagiert. Diese versuchen, sich nach den Informationen, die sie von den Angehörigen erhalten haben, ein Bild vom Verstorbenen zu machen und darauf aufbauend eine passende Trauerrede zu halten.


Nun gibt es gute und schlechte Trauerredner. Welche, die den Ton gut treffen, so dass die Rede den Angehörigen hilft, den Verlust anzunehmen. Die vielleicht Anekdoten über den Verstorbenen einstreuen, so dass es auch ein Schmunzeln trotz des traurigen Anlasses gibt. Die Erinnerungen wach werden lassen. Und es gibt die, bei denen man sich fragt, ob man auf der richtigen Beerdigung ist.


Ich habe leider in meinem Leben bisher nur die nicht so guten erwischt. Das heißt nicht, dass diese Redner sich keine Mühe gegeben hätten, aber wenn eine Rede schon mit „Wir haben uns heute hier versammelt ...“ beginnt, dann ist das für mich nicht das Passende. Weshalb ich auf den Beerdigungen meines Vatis und meiner Mutti auf fremde Trauerredner verzichtet und jeweils eine eigene Rede gehalten habe.




Was für eine selbstgeschriebene Trauerrede spricht


Grundsätzlich ist an der Inanspruchnahme eines Trauerredners nichts falsch. Für Hinterbliebene kann es eine Erleichterung sein, sich nicht darum kümmern zu müssen. Trotzdem möchte ich dich einladen, eine Trauerrede selbst zu schreiben.


Neben dem oben genannten gibt es noch weitere Gründe, die aus meiner Sicht für eine selbstgeschriebene Trauerrede sprechen:


Eine selbstgeschriebene Trauerrede ist immer persönlich. Niemand außer dir kann sie so formulieren und so halten. Denn nur du hast den Verstorbenen* auf deine Art kennengelernt und erlebt. Es gibt Momente, die habt nur ihr geteilt. Niemand sonst. Ein Außenstehender kann diesen Moment vielleicht beobachtet haben, aber er wird andere Gefühle damit verbunden oder Worte anders verstanden haben. Er würde dieselbe Geschichte ganz anders erzählen. Gerade wenn die Verstorbenen Partner, Kinder, Eltern oder Geschwister von dir waren, bestand zwischen euch ein ganz besonderes Band. Das ist unabhängig davon, ob ihr euch immer gemocht habt oder nicht. Auch negative Gefühle können verbinden.


Eine selbstgeschriebene Trauerrede kann Erleichterung bringen. Sie kann dir helfen, dich von dem Verstorbenen zu verabschieden. Du kannst Dinge sagen, die dir auf dem Herzen liegen. Vielleicht, weil du sie aus deiner Sicht zu wenig gesagt hast. Oder auch nie. Du kannst, wenn eure Beziehung schwierig war, dem Verstorbenen auch in der Rede verzeihen oder ihm sagen, dass er es gut gemacht hat, soweit es ihm möglich war. Das kann Erleichterung bringen, weil du diese Punkte dann nicht mehr oder nicht so intensiv mit dir herumtragen musst. Du hast sie ausgesprochen, kannst sie abgeben. Sie können in Frieden ruhen.


Deine Trauerrede ist dein Abschiedsritual. Rituale geben uns gerade in schweren Zeiten Halt. Sie stützen uns, geben Orientierung. Sie bilden Brücken, schaffen Übergangsmöglichkeiten. Zwischen der Zeit mit dem Verstorbenen und der danach. Deine Trauerrede gibt dir die Möglichkeit, Abschied zu nehmen, so, wie du es jetzt gerade brauchst. Du gestaltest. Du bleibst handlungsfähig. Gleichzeitig ist deine Rede deine Verbindung zum Verstorbenen. Ihr seid weiterhin im Kontakt miteinander. Sie kann dir den Weg für das Leben mit dem Verlust weisen.



Warum du die Trauerrede schriftlich niederlegen solltest


Die wenigsten Menschen können eine Trauerrede spontan halten. Dafür schwingen in diesem Moment viel zu viele Emotionen mit. Was vorher noch im Kopf war, ist weg. Tränen laufen. Eine Rede zu halten ist so nicht möglich. Zumal eine Rede, in der du vielleicht dem Verstorbenen noch etwas sagen möchtest. Deshalb solltest du sie vorher aufschreiben.



Der Schreibprozess


Beim Schreiben solltest du zunächst entscheiden, an wen sich deine Trauerrede richtet. Du kannst dich an den Verstorbenen wenden, an die Trauergemeinde oder an beide. Hier hilft es, einfach mal eine Probeformulierung zu machen. Was fühlt sich für dich besser an? Möchtest du dem Verstorbenen etwas mitteilen, mit ihm noch einmal gemeinsam durch sein Leben gehen? Oder würdest du lieber den Menschen, die mit dir trauern, etwas mitteilen, sie erinnern? Da du die Rede hältst, ist es auch deine Entscheidung. Es muss sich für dich gut anfühlen.


Auch bei dem, was du über den Verstorbenen erzählen möchtest, bist du frei. Du kannst persönliche Erinnerungen teilen. Oder du erzählst aus seinem Leben, was ihn ausgemacht hat, was du geschätzt hast. Wenn euer Verhältnis schwierig war, musst du das nicht verschweigen. Menschen haben gute und auch nicht so gute Seiten. Du darfst sie alle beleuchten, wenn du das möchtest. Nur Vorwürfe solltest du in einer Trauerrede vermeiden. Es gibt bessere Möglichkeiten, ihnen ihren Platz zu geben.


Du kannst dich bei deiner Rede auch an dem Menschen, den du verloren hast, orientieren. Wie war er? War er fröhlich, spricht auch nichts dagegen, lustige Anekdoten einfließen zu lassen. Aber auch deine Trauer hat hier ihren Platz. Was fehlt dir jetzt, wo er nicht mehr da ist? Was vermisst du am meisten?


Ich empfehle dir, die Rede auszuformulieren. Zum einen kommst du bereits beim Formulieren in Kontakt mit deinen Gefühlen. Zum anderen gibt sie dir Halt beim Vortragen vor der Trauergemeinde. Du kannst dich an deinem Manuskript "festhalten". Du brauchst nur noch Vorlesen, nicht mehr nachdenken, was du sagen möchtest.


Im Internet findest du auch Vorlagen für Trauerreden. Allerdings sind sie selten auf deine persönliche Situation zugeschnitten. Sie können dir jedoch als Orientierung dienen, wenn du so gar nicht weißt, was du sagen sollst.



Nimm dich und deine Gefühle wahr


Natürlich kann es passieren, dass es Gäste auf der Trauerfeier gibt, die mit deiner Rede nicht zufrieden sind. Aber wie so oft im Leben wirst du es nicht allen Recht machen können. Da es hier aber um deinen persönlichen Abschied geht, ist es in erster Linie wichtig, dass es dir mit deiner Rede gut geht.


Erwarte nicht von dir, dass du die Rede aus dem Stegreif schreiben kannst. So etwas braucht Zeit und Geduld. Geduld vor allem mit dir selbst. Beim Schreiben rührst du an deinem Innersten, an deinen Gefühlen. Rechne damit, dass dir die Tränen kommen, wenn du dich erinnerst. Aber auch Freude kann da sein. Oder Wut. Schuldgefühle. Verzweiflung. Das Schreiben holt sie wieder hervor. Es sind deine Gefühle. Versuche, ihnen Raum zu geben.


Wenn du die Trauerrede geschrieben hast, lies sie dir laut vor. Das laute Lesen ist wichtig, denn nur so erkennst du, ob du überhaupt in der Lage bist, vor anderen diese Rede zu halten. Achte auch hier darauf, was du wahrnimmst: Tut dir das Lesen jetzt gut? Passt das jetzt für dich? Sind Ort und Zeit richtig oder braucht es etwas anderes?


Wenn du beim Vorlesen den Eindruck gewinnst, dass dir ein öffentlicher Vortrag vor der gesamten Trauergemeinde zu viel ist, kannst du die Trauerrede auch nach der Beisetzung allein am Grab halten. Auch vor einem Bild des Verstorbenen bei dir zu Hause kannst du sprechen. Oder an einem anderen Ort, an dem du dich sicher und geborgen fühlst. Gleiches gilt, wenn die Dinge, die du dem Verstorbenen sagen möchtest, so privat sind, dass du sie nicht in der Öffentlichkeit aussprechen möchtest.

Wenn dir der Zeitpunkt der Beerdigung für deine Rede nicht passend erscheint oder diese gar schon vorbei ist, kannst du dir auch einen anderen Anlass hierfür nehmen, zum Beispiel einen Jahrestag, um an den Verstorbenen zu erinnern. Du bestimmst den Rahmen, Ort und Zeit.



Eine selbst geschriebene Trauerrede kann dir den Abschied von einem nahestehenden Menschen erleichtern. Du kannst zurückschauen und dich an ihn erinnern. Eine eigene Trauerrede ist persönlicher als eine, die ein fremder Trauerredner hält, der den Verstorbenen nicht kannte. Du kannst durch eine eigene Rede für dich selbst eine Brücke bauen zwischen der Zeit vor dem Tod und der Zeit danach.


Mir selbst hat es sehr gut getan, die Trauerreden für meine Eltern persönlich zu halten. Es hat mir den Abschied von ihnen erleichtert und sie mir zugleich noch einmal viel näher gebracht.


Welche Erfahrungen hast du mit Trauerreden gemacht? Kannst du dir vorstellen, selbst eine Rede zu schreiben?


Achte auf dich. ________________________

* Die männliche Bezeichnung steht hier wegen der besseren Lesbarkeit für beide Geschlechter.

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