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  • Antje Przyborowski

Ein Kraftort als Stütze beim Trauern

Trauer ist schwarz oder grau, auf jeden Fall düster. Bedrückend, kraftzehrend. Daneben hat nichts mehr Platz. Alles Schöne, alle Freude scheint verschwunden. Ein tiefes Loch, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint. Du funktionierst. Mehr geht nicht. Wenn überhaupt. Neben dieses Loch deiner Trauer kannst du einen Kraftort stellen, einen Ort, der dir Sicherheit bietet, einen positiven Rückzugsort.


Zu einem Kraftort für dich kann jeder Ort werden, mit dem du etwas Positives verbindest. Vielleicht bist du einmal an einem solchen magischen Ort gewesen, an einem Platz mit einer besonderen Ausstrahlung. Das kann eine Bank mit einer schönen Aussicht gewesen sein. Ein Strand mit Palmen und klarem blauen Wasser. Der Anblick eines schneebedeckten Gipfels.


In dem du in Gedanken an diesen Ort zurückkehrst, ihm nachspürst, ihn ins Hier und Jetzt holst, kannst du deine Energiereserven wieder auffüllen. Du kannst fühlen, wie gut er dir tut und ihn neben deine Trauer stellen. Nicht als Ersatz, sondern als Anker.



Ein Ort, an dem du dich wohl gefühlt hast


Wer im Internet das Wort „Kraftort“ eingibt, erhält diverse Hinweise auf geografische Orte, die nach esoterischen Vorstellungen eine besondere Erdstrahlung haben. Mit ihnen hat der Kraftort, den ich meine, jedoch nichts zu tun. Vielmehr geht es dabei um einen Ort in deinen Erinnerungen oder deiner Phantasie, der dir in den schweren Stunden der Trauer helfen kann, Kraft und Halt zu finden.


Dieser Kraftort kann ein realer sein. Einer, an dem du warst, wo du dich rundherum wohl und sicher gefühlt hast. Wohin du gern zurückkehren würdest. Wo du deinen Seelenfrieden fandest und die Welt außen vor blieb. Das kann ein Ort am Meer sein. An dem die Wellen rauschen. Die Möwen rufen. Die Sonne dich wärmt. Deine nackten Füße im Sand spielen. Der Wind deine Haut streichelt. Wo du auf einer Düne sitzt und auf das Wasser schaust. Eins mit dir bist und deiner Umgebung.


Das mag jetzt vielleicht kitschig klingen, aber wir alle kennen solche Orte. Irgendwann in unserem Leben gab es diese Momente, wo wir ganz bei uns waren. Wo wir uns voller Kraft und Energie fühlten. Wo uns nichts zu schwer erschien.


Bei deinem Kraftort kann sich aber auch um einen imaginärer Ort handeln. Ein kleines Paradies, so wie du es dir vorstellst. Vielleicht hast du so einen Ort einmal in einem Film gesehen. Oder in einem Buch eine Beschreibung gelesen. Zum Beispiel von einer grüne Oase, umgeben von schneebedeckten Bergen. Ein Wasserfall plätschert leise. Im Hintergrund zwitschern Vögel. Ein leichter Wind weht. Die Blätter rascheln im Wind. Ein Ort, um dich geborgen zu fühlen. An dem alles gut ist für dich.


Egal, ob es sich bei deinem Kraftort um einen realen oder einen fiktiven Ort handelt, wichtig ist nur, dass du mit diesem Ort Frieden, Ruhe, Wohlgefühl und Sicherheit verbindest.



Ein Ort für deinen inneren Frieden


Ein Kraftort kann dir, wie der Name schon sagt, Kraft und Halt in schweren Stunden geben. Indem du dich an ihn erinnerst, kannst du ihn in die Gegenwart holen. Du kannst spüren, wie es sich jetzt anfühlt, wenn du an diesen Ort denkst. Dieser Kraftort wird deine Trauer nicht verschwinden lassen. Sie ist da. Aber du kannst damit ein positive Gefühl neben deine Trauer stellen. Als einen Anker, der dich hält in stürmischen Zeiten.


Als ich vor vielen Jahren im Urlaub auf Teneriffa war, fand ich einen meiner Kraftorte. Ich bestieg den Berg Guajara direkt gegenüber vom höchsten Berg der Insel, dem Teide. Als ich nach einiger Kraxelei oben ankam, öffnete sich mir der Panoramablick auf den schneebedeckten Teide. Dieser Anblick überwältigte mich. Die Sonne schien auf diesen Berg. Es war wie ein Blick auf den Sitz der Götter. Ein tiefes Glücksgefühl durchfuhr mich. Ruhe durchströmte mich. Sehr, sehr lange saß ich einfach nur da und schaute auf den Teide. Ich sog seinen Anblick und die Wärme in mich auf. Am liebsten wäre ich nie wieder von dort weggegangen.


Wenn ich mir jetzt diesen Moment in mein Gedächtnis rufe, spüre ich wieder die Wärme und dieses tiefe Gefühl von Zufriedenheit. Mein Herzschlag wird ruhiger. Ich spüre, wie mein Atem tiefer geht. Ich lehne mich entspannt zurück. Ein Lächeln umspielt mein Gesicht. Ich kann die Kraft dieses Ortes wieder in mir spüren und sie aufnehmen. Die Trauer in mir ist in diesen Momenten nicht weg, aber sie steht nicht mehr im Vordergrund. Damit wird sie für mich besser erträglich.



Schaffe deinen Kraftort


Um deinen Kraftort zu finden, kannst du deine Erinnerungen nach den schönen Orten deines Lebens durchforsten. Wo hast du dich wohlgefühlt? Wo würdest du gern noch mal hingehen? Wenn dir gar nichts einfällt, kannst du auch alte Urlaubsfotos zur Hand nehmen. Spüre beim Betrachten der Bilder in dich hinein, welcher Ort dir Ruhe und Sicherheit vermittelt. Vielleicht bist du überrascht, welcher Ort dich anspricht.

Versuche dich zu erinnern, wie es dir damals ging. Was war dort besonders schön? Welcher Zauber lag über diesem Ort? Wo kannst du ihn spüren?


Und wenn du keinen Ort in deiner Erinnerung findest? Vielleicht fällt dir ein Film ein, in dem du einen solchen Platz gesehen hast. Oder eine Beschreibung in einem Buch. Vielleicht auch ein Bild aus einer Zeitschrift. Aus einem Urlaubsprospekt. Ein Ort, an den du immer mal wolltest, aber bisher nicht hinkamst. Die Möglichkeiten sind vielfältig.


Du kannst dir auch aus verschiedenen Orten einen Kraftort zusammensetzen. Wenn du dich zum Beispiel an eine sonnendurchflutete Lichtung im Wald erinnerst, kannst du in deiner Phantasie auch einen kleinen plätschernden Bach hinzusetzen. Spüre, wie sich das für dich anfühlt. Und wenn du im Hintergrund das störende Rauschen der Autobahn hörst? Wer hindert dich daran, diesen Phantasieort einfach an eine Stelle zu versetzen, wo Ruhe herrscht. Alles ist möglich, denn der Ort soll sich für dich gut anfühlen.


So kannst du die Kraft in deiner Trauer finden für den nächsten Schritt, die nächste Stunde, den nächsten Tag. Damit neben dem Schutt deiner Trauer auch etwas Schönes stehen kann.


Achte auf dich.

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