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  • Antje Przyborowski

Pfleg deine guten Erinnerungen

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, sind damit sehr oft viele negative Erfahrungen und Gefühle verbunden. Die Umstände der letzten Tage bei einer schweren Krankheit können uns zusetzen. Bei einem plötzlichen Unfalltod werden wir von negativen Gefühlen überrollt. Schuldgefühle können aufkommen, weil wir glauben, etwas falsch gemacht oder versäumt zu haben. Scham kann sich einschleichen, Verzweiflung über uns kommen.


Ich möchte dich deshalb heute einladen, diesen negativen Erfahrungen und Gefühlen die guten Erinnerungen gegenüberzustellen. Wenn wir einen Menschen geliebt haben, gibt es zahllose gemeinsam erlebte schöne Momente. Wenn diese hellen Erinnerungen verloren gehen, wäre das schade und würde vor allem dem Verstorbenen und unserem Leben mit ihm nicht gerecht werden.


Eine einfache Möglichkeit hierfür ist das Anlegen eines Fotoalbums mit den schönsten Momenten des gemeinsamen Lebens. Wenn du dir die Fotos anschaust, kannst du jeden dieser Augenblicke nochmals durchleben. Du kannst die damit verbundenen guten Gefühle wieder hervorlocken. Auch wenn sie vielleicht nicht so stark sind wie damals, können sie doch ein Lächeln in dein Gesicht zaubern oder entspannte Emotionen in dir aufkommen lassen. Bewahre sie, sie gehören zu dir und zu dem Verstorbenen.



Negative Gefühle können die schönen Momente verdrängen


Der Tod eines geliebten Menschen ist in der Regel mit negativen Erinnerungen und Gefühlen besetzt. Wenn er oder sie an einer schweren Krankheit verstarb, verbinden wir damit meist Bilder von Krankenhaus, Bettlägerigkeit, körperlicher Schwäche oder durchdringenden Geräuschen medizinischer Geräte. Auch der Geruch von Desinfektionsmitteln kann diese schlechten Momente und die mit ihnen verbundenen Gefühle erneut heraufbeschwören. Wir sind sofort wieder mittendrin.


Gleiches gilt bei einem plötzlichen und unerwarteten Versterben. Von jetzt auf gleich ist jemand, der dir sehr wichtig war, verschwunden. Du konntest dich nicht darauf vorbereiten. Plötzlich war er oder sie weg. Ohne Vorankündigung. Vielleicht machst du dir jetzt Vorwürfe. Weil ihr euch kurz vor seinem Tod gestritten habt. Oder weil du ihn ohne Abschiedskuss morgens hast gehen lassen, weil du noch schliefst. Oder oder oder.


Egal ob Schuldgefühle, Scham oder Verzweiflung, vielleicht auch Wut in dir sind, all diese Gefühle haben die Macht, die guten und schönen Zeiten in eurem gemeinsamen Leben zu überdecken. Manchmal schreiben sie eure Vergangenheit sogar um. Auf einmal glaubst du, dass es gar nicht so schön war, wie du bisher geglaubt hast. Dass du dir nur etwas vorgemacht hast. Dass die Anzeichen für den schlechten Ausgang schon absehbar waren. Dass du dir nicht genug Mühe gegeben hast.



Sammel die schönen Erinnerungen


Damit diese negativen Gefühle nicht die Überhand gewinnen, möchte ich dich einladen, die schönen Momente und Erinnerungen eurer gemeinsamen Zeit zu sammeln. Du glaubst, es gibt keine? Doch, sie sind da. Denn wenn es sie nicht gäbe, würde dir dieser Tod nichts ausmachen. Dann wäre er dir egal. Wenn Menschen, mit denen uns nichts Schönes, vor allem nichts Emotionales verbindet, versterben, dann nehmen wir ihren Tod zur Kenntnis. Wir bedauern ihn vielleicht, aber er berührt uns nicht tief.


Am leichtesten findest du schöne Erinnerungen, wenn du dir ein Fotoalbum mit den schönsten Momenten eures gemeinsamen Lebens zusammenstellst. Geh deine Erinnerungen durch. Nimm dir Fotos, die vielleicht in irgendeiner Kiste oder digital vor sich hinschlummern. Schaue dir alte Videos an. Nimm dir die besten Momente davon und trage sie zusammen.


Wahrscheinlich wirst du dabei eine Vielzahl von Gefühlen empfinden. Hab keine Angst vor ihnen, auch wenn sie völlig gegensätzlich sein sollten. Vielleicht wirst du weinen müssen. Vielleicht wirst du an anderen Stellen auch lachen. Egal, was kommt: Nimm deine Empfindungen wahr. Sie gehören zu dir und zu eurem gemeinsamen Leben. Sie verbinden dich mit dem Verstorbenen. Sie zeigen dir, du und er oder sie, ihr habt gelebt.



Finde zurück ins Gleichgewicht


Ordne deine Erinnerungen. Vielleicht findest du für jedes gemeinsame Jahr ein Foto, zum Beispiel aus eurem Urlaub. Vielleicht sind es auch nur Schnipsel von dem, was euer gemeinsames Leben ausgemacht hat, wie zum Beispiel von einem Umzug, dem Hausbau oder einer besonders schönen Geburtstagsfeier. Begib dich auf eine Zeitreise in eure gemeinsame Vergangenheit. Lass dich überraschen von all den schönen Dingen, die dir mit dem Verstorbenen begegnet sind.


All diese wunderbaren Erinnerungen werden einen Gegenpol zu den negativen Momenten des Sterbens bilden. Sie zeigen dir, dass es neben diesen schweren Tagen auch das Leichte gab, das Fröhliche. Sie bringen ein Stück mehr Ausgewogenheit in deine Erinnerungen. Indem du ihnen folgst, kannst du beginnen, dich und dein Leben wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Sie geben dir die Möglichkeit, den Verlust in dein Leben zu integrieren.



Wähl eine Stellvertreter-Erinnerung aus


Wenn das Album fertig ist, leg es an eine für dich gut zugängliche Stelle. Es sollte dir allerdings nicht permanent ins Auge fallen. Ein Platz neben deinem Bett oder direkt auf dem Wohnzimmertisch ist deshalb nicht geeignet. Vielleicht findest du einen schönen Platz im Schrank oder in einer Schublade. Dann kannst du es immer zur Hand nehmen, wenn du möchtest, ohne ständig damit konfrontiert zu werden.


Such dir unter all diesen Erinnerungen diejenige aus, die aus deiner Sicht am schönsten, fröhlichsten oder typischsten ist. Diese wird zu deiner Stellvertreter-Erinnerung. Sie sollte all die positiven Momente und Erinnerungen zusammenfassen und in dir bei jedem Anschauen positive Gefühle hervorrufen.


Wähl dir ein Bild, was dir gut tut, bei welchem du entspannt lächeln kannst, wenn du es betrachtest. Schau nach einem, bei dem du dich an die schönen Seiten des Verstorbenen erinnern kannst, an sein Lächeln, seine Lebendigkeit, seine Lebensfreude. Diese Erinnerung darf dich dann überall hin begleiten. In ihr bleibt dir der Verstorbene immer präsent.


Achte auf dich.

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