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  • Antje Przyborowski

Wann hast du das letzte Mal einen Waldspaziergang gemacht?

Kannst du dich daran erinnern, wann du das letzte Mal durch einen Wald gegangen bist? Den Geruch wahrgenommen hast? Die Farben auf dich hast einwirken lassen? Sie in deine Seele gelassen? Wenn es schon viel zu lange her ist, dann möchte ich dich heute dazu einladen. Auch wenn du vielleicht gerade jetzt den Eindruck hast, dass du keine Energie hast dazu, weil du viel zu sehr in deiner Trauer gefangen bist.


Der Wald kann dir helfen, neue Kraft zu tanken. Er spricht all deine Sinne an: Du kannst ihn sehen, sein Farbenspiel gerade jetzt im Herbst in dich aufnehmen, den Blättern beim Fallen zuschauen. Du kannst ihn riechen – jetzt riecht er vor allem nach Feuchtigkeit und Pilzen. Du kannst ihm zuhören, wie er im Wind rauscht, wie Äste knacken, die Vögel ihre Schwingen ausbreiten. Du kannst die raue Borke der Bäume fühlen oder gefallene Blätter berühren. Du kannst ihn sogar schmecken, er hat einen würzigen Geschmack, wenn du genau hinspürst.


Aber vielleicht hast du auch den Eindruck, dass es dem Wald geht wie dir. Wenn du zum Beispiel die abgestorbene Fichten siehst. Wie trostlos sie herumstehen. Gerippe ohne Zukunft. Alles tot, wie vielleicht auch dein Innerstes. Doch wenn du genau hinschaust, wirst du feststellen, dass zwischen all dem Totholz auch Leben ist: Käfer, kleine Sprösslinge, Moose, Flechten. Auch in dir ist noch etwas Lebendiges, etwas Schönes neben all dem Traurigen. Ich wünsche dir, dass du es finden kannst. Vielleicht bei einem Spaziergang im Wald.




Die Natur wartet auf dich


In der Trauer neigen wir dazu, uns zurückzuziehen. Wir wollen nichts sehen, nichts hören, am besten nichts mehr fühlen. Bloß, damit wir den Schmerz, der in uns wütet, nicht wahrnehmen. Waldspaziergänge gehören deshalb in der Trauer oft zu den Dingen, die wir nicht tun. Schon weil dann die Gefahr besteht, jemandem zu begegnen. Jemandem, der seinen Partner noch hat. Oder glückliche Familien mit Kindern.


All diese Begegnungen wühlen wieder auf, lassen uns den Verlust wieder direkt vor Augen stehen. Wir sehen die anderen und wissen, dass das, was sie haben, für uns verloren ist. Unwiederbringlich. Das tut weh. Und wer will schon immer daran erinnert werden, was fehlt. Dann schon lieber zu Hause bleiben. Niemanden sehen, der einen sowieso nicht versteht. Niemanden hören, der fröhlich ist, weil du selbst untröstlich bist.


Dabei ist gerade der Wald in der Lage, dir wieder Kraft zu schenken. Niemand zwingt dich, auf viel begangenen Wegen zu unterwegs zu sein. Es gibt auch einsame Pfade, Wanderwege abseits der üblichen Sonntagsspazierrouten, geschützte Lichtungen, die zum Verweilen einladen. Genauso kannst du frühmorgens, wenn noch alles still ist, gehen oder abends.



Wälder sprechen all deine Sinne an


Doch warum solltest du ausgerechnet in den Wald gehen, wenn es dir nicht gut geht? Warum nicht shoppen gehen oder in ein Fitnessstudio? Ganz einfach: Weil Wälder alle deine Sinne ansprechen und dadurch heilend wirken. Es gibt mittlerweile viele Studien, die das belegen. Auch deshalb erfreut sich auch zum Beispiel das Waldbaden immer größerer Beliebtheit. Wälder sind einfach Balsam für die Seele. Sie können deine Wunden wieder heilen lassen.


Du kannst mit all deinen Sinnen in den Wald eintauchen und dich entspannen. Gerade jetzt im Herbst bilden die bunten Blätter der Laubbäume einen wunderbaren Blickfang. Gespickt mit immergrünen Nadelbäumen, unterlegt von Moosen und gefallenem bunten Laub können sie vielleicht ein Lächeln auf dein Gesicht zaubern. Das Rascheln der Blätter unter deinen Füßen, das Rauschen des Windes, der intensive Geruch nach Pilzen und Feuchtigkeit begleiten dich auf deinem Weg. Vielleicht nimmst du auch den einen oder anderen Vogel wahr.


Wenn du möchtest, kannst du auch einen Baum berühren und seine raue Borke fühlen. Wenn du magst, kannst du ihn umarmen und ihn bitten, dir etwas von seiner Kraft abzugeben. Genauso kann du weiches Moos, Blätter oder Pilze in die Hand nehmen und betrachten. Auch Steine, mit Flechten und Moos überzogen, können dir Kraft schenken. Wenn du genau darauf achtest, kannst du den Wald sogar schmecken, seine Würze in dich aufnehmen.



Nach jedem Verlust kommt auch wieder etwas Neues


Der Wald kann auch ein Sinnbild für dich sein. In vielen Wäldern stehen im Moment abgestorbene Fichten. Kahl und tot wirken sie. Vielleicht hast du den Eindruck, dass es in dir genauso aussieht. Dass nichts als Leere in dir ist, alles Lebendige und Beglückende mit deinem Verlust verschwunden ist. Und dass sich daran nie wieder etwas ändern wird. Doch das täuscht. Zwar kann dein Verlust nicht wieder rückgängig gemacht werden, aber du kannst lernen, mit ihm zu leben.


Schau genau hin, wenn du im Wald bist. Zwischen toten Bäumen und Stümpfen sind Moose und Flechten zu finden. Käfer sind unterwegs. Pilze wagen sich jetzt aus der Deckung des Waldbodens. Kleine Schösslinge wachsen auf den nun lichtgetränkten Flächen nach oben, die vorher keine Chance hatten. Genauso kann sich auch in deinem Leben wieder Schönes ergeben. Behalte diese Bilder deines Waldspaziergangs im Gedächtnis. Für die Stunden, wenn dir wieder alles trostlos erscheint.


Vielleicht magst du auch etwas aus dem Wald mitnehmen, zum Beispiel eine frisch gefallene Kastanie, eine besonders schön geformte Eichel oder einige bunte Blätter. Mit ihrer Hilfe kannst du dich wieder an diesen Tag und diesen Ort zurückversetzen. Gerade eine Kastanie ist ein wunderbarer Handschmeichler, den du immer bei dir tragen kannst, wenn es dir schwer ums Herz wird. Vielleicht möchtest du auch etwas mit deinen Mitbringseln gestalten. Es gibt so viele Möglichkeiten. Wichtig ist nur, dass es dir gut tut.


Achte auf dich.


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